Zur Sonne, zur Freiheit

Liebe Besucher, geschätzte Festivalveranstalter und Auftraggeber, Filmverleiher, Sponsoren, Mitglieder des Berliner Senats und Freunde des Kinos Babylon.

Seit fast 5 Monaten befinden sich die in ver.di organisierten Mitarbeiter des Babylon im Streik und fordern neben der Abkehr der unseriösen „hire and fire“ Mentalität endlich eine Vergütung nach dem bundesweiten Tarifvertrag für Filmtheater. Doch Geschäftsführer Grossman legt kein Angebot vor und kompensiert den Ausfall mit Streikbrechern und Mehrarbeit der nicht gewerkschaftlich organisierten Restbelegschaft.

Trotz Erhöhung der Preise und gestiegenen Besucherzahlen wurden seit mehr als 5,5 Jahren die Entgelte der Filmvorführer und weiterer Mitarbeiter nicht erhöht. Näheres können Sie der hier aufgeführten ver.di Presseinformation zu Beginn des unbefristeten Streikes entnehmen.

Mittlerweile bleiben Besucher dem Babylon fern oder kaufen nichts in der Gastronomie und Veranstalter suchen sich sozialere Orte. Zeigen sie sich solidarisch mit den Streikenden!

Schreiben Sie dem Geschäftsführer unter grossman@babylonberlin.de und setzen ver.di unter betriebsgruppebabylon@gmail.com in CC.

Vielen Dank

Sie geht und kommt wohl auch nicht mehr …

Über viele Jahre war sie Stammgast im Babylon Mitte in Berlin, Die Linke Kinonacht.
Gespräche mit Politikern, Lesungen und Filme wurden über eine lange Zeit hinweg einmal im Jahr bei freiem Eintritt den Zuschauern im Babylon geboten. Alle drei Säle wurden mit Filmen aus den verschiedensten Genres bespielt und es waren in jedem Jahr hochkarätige Gäste aus Politik und Zeitgeschehen im Haus. Es wurde gelesen und debattiert, gestritten oder einfach nur gefeiert.
Und so sollte es auch in diesem Jahr sein.
Doch was ist geschehen? Seit einiger Zeit streiten einige Mitarbeiter des Babylon um einen angemessenen Tarifvertag, der bundesweit üblich ist und in vielen Kinobetrieben zur Anwendung kommt.
In diesem Jahr, so die Aussage des Sprechers der Linken, war es uns unmöglich, die Linke Kinonacht im Babylon zu veranstalten, da die Partei sich sonst mit der Geschäftsführung des Babylon solidarisiert hätte, nicht mit den Streikenden. Immerhin zahlt Herr Grossman weit weniger, als von Linken geforderten 10 Euro Mindestlohn. So sagte die Berliner Linke die Linke Kinonacht bereits vor Wochen ab. Sie findet stattdessen in der Musikscheune, Greifswalder Str. 23A in 10405 Berlin statt.
Am Freitag und Samstag den 11/12.09.15 wird auf dem Rosa-Luxemburg-Platz nun das Fest der Linken gefeiert. Dieses Fest wird organisiert nicht von den Berliner Linken, sondern von der Fraktion der Linken im Bundestag. Im Rahmen dieses Festes, sollten am Samstag auch im Babylon Veranstaltungen stattfinden. Nun war es den Vertretern der Bundestagsfraktion der Linken wichtig, den Streikenden und ihren Anliegen während des Festes Gehör zu verschaffen und so bot man den Streikenden etwa 10 Minuten Redezeit auf der Bühne an. Als man dies dem Geschäftsführer Timothy Grossman verkündete, verlangte dieser, mit Verweis auf sein Hausrecht, dass man ihm im Gegenzug mindestens die dreifache Redezeit einräumen müsse, um auf die Äußerungen der Streikenden reagieren zu können. Woher kommt sie nur, des Herrn Grossman grenzenlose Selbstüberschätzung? Die Vertreter der Linken lehnten dies natürlich kategorisch ab und so zog sich auch die Bundestagsfraktion der Linken von der Spielstätte zurück. Die Veranstaltungen, die eigentlich im Babylon stattfinden sollten, wurden in die Kalkscheune, Galerie, Kalkscheunenstraße/Ecke Johannisstraße 2, 10117 Berlin verlegt.

Die Linke, die über viele Jahre das Babylon nicht nur für Veranstaltungen aller Art nutzte, sondern es lange Zeit auch politisch unterstützte, hat nun wertvolles Wohlwollen dem Haus gegenüber verloren.
Es ist erschreckend zu sehen, dass ein einzelner Mensch es schafft, das Ansehen dieses renommierten Hauses, mit seiner großen Vergangenheit und den Zuspruch für ebendieses in Politik, bei Veranstaltern und in der Bevölkerung in derartigem Ausmaß schrumpfen bzw. verfliegen zu lassen, dass selbst dem Hause bisher ausgesprochen wohlmeinende Organisationen, wie Die Partei der Linken, dem Babylon nun den Rücken kehren.
Schade!!!

unbefristeter Streik

Berlin, 23. Juli 2015
Nr. 199

ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Landesbezirk Berlin-Brandenburg www.bb.verdi.de

P R E S S E I N F O R M A T I O N

Ab heute unbefristeter Kino-Streik im Babylon Berlin

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat die 15 Beschäftigten der Kino Babylon Berlin GmbH am Rosa-Luxemburg-Platz in 10178 Berlin ab heute Donnerstag, dem 23. Juli 2015 ab 16:00 Uhr zur unbefristeten Arbeitsniederlegung aufgerufen. „Diese Aktion ist notwendig, weil die Geschäftsleitung trotz der bisher erfolgten Warnstreiks und der nun im Doppelhaushalt beschlossenen Zuwendung des Berliner Senats von jährlich 361.500 Euro ab 2016 kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt hat“ so Andreas Köhn, ver.di Verhandlungsführer. ver.di hat auch den Kulturstaatssekretär Tim Renner in einem Schreiben aufgefordert, die finanzielle Zuwendung an die Umsetzung des für kommunale Kinos maßgebenden Tarifvertrages zubinden. Eine Antwort steht bisher aus. „Es kann nicht sein, dass Steuergelder in ein Privatkino fließen, das Dumpinglöhne zahlt“ so Köhn weiter.

Anlass ist eine Tarifauseinandersetzung. Seit fünf Jahren gab es im Bereich der Filmvorführer (Stundenlohn 9,03 Euro) keine Entgelterhöhung mehr. Lediglich der Stundenlohn für Platzanweiser u.a. wurde zum 01. Januar 2014 auf den jetzt geltenden gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro erhöht. Gleichzeitig sind die Eintrittspreise und die Preise für Einmietung in diesem Zeitraum um teilweise 20 Prozent gestiegen. Auch die Anzahl der Besucher hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht.

Zum 31. Dezember 2014 kündigte ver.di den bestehenden Tarifvertrag und forderte die Geschäftsführung zu Tarifverhandlungen auf. Es haben zwei ergebnislose Verhandlungsrunden stattgefunden, der Arbeitgeber hat bislang kein substantielles Angebot vorgelegt. Er vertröstete die Beschäftigten auf eine mögliche Entgelterhöhung ab 1. Januar 2016, weil nach seiner Aussage aus eigenen Mitteln kein Spielraum vorhanden sei. „Dies ist kein Angebot, sondern ein ungedeckter Scheck in die Zukunft“ so Köhn.

Für Rückfragen:
Andreas Köhn, Fachbereichsleiter Medien

Hier streikt der Chef im Stillen selbst!

Das halbkommunale Kino Babylon in Berlin Mitte wird derzeit bestreikt. Die Mitarbeiter fordern höhere Löhne und einen Tarifvertrag, der dem üblichen für Kinos und Filmtheater entspricht. Auch wenn der Geschäftsführer Grossman sich bisher standhaft weigert mit dem Vertreter von Verdi zu verhandeln, scheint es dennoch so, als sei er sich seines Fehlverhaltens suggestiv bewusst. Da sich Herr Grossman als Geschäftsführer nun nicht wie seine Angestellten in einer neongelben Warnweste vor sein eigenes Haus stellen kann, hat er in einem Akt der Selbstgeißelung oder des Flagellantentums, wenngleich frei von jedwedem religiösen Moment, eine Art Festival angesetzt, das wohl ein finanzielles Desaster für ihn werden wird. Der monitäre Aufwand, der für den sogenannten, derzeit stattfindenden Kino-Orgel-Wettbewerb betrieben wurde, ist in der Stadt kaum zu übersehen. Doch die Zuschauer, über die genau all dies refinanziert werden müsste, bleiben aus. Teilweise ist der über 400 Personen fassende Saal 1 des Babylons mit 10 Zuschauern besetzt. Man kommt nicht umhin, sich die Frage zu stellen, ist dies Missmanagement oder eben sein schlechtes Gewissen, was hier offen zu Tage tritt. Ersteres liegt natürlich fern dem Herrn Grossman zu unterstellen und so muss man eventuell davon ausgehen, und dies in unumschränktem Wohlwollen, dass es eben letzteres ist, was den Herrn umtreibt. Und so kann man ihm nur die Stärke und die moralische Kraft wünschen, sich offen zu seinem Fehlverhalten zu bekennen und sich endlich an einen Tisch mit dem Vertreter von Verdi zu setzen, um endlich einen annehmbaren Tarifvertrag auszuhandeln. Sehr geehrter Herr Grossman, Sie müssen keine Festivals initiieren zu denen keiner kommt, um sich selbst zu bestrafen, zahlen Sie anständige Löhne und alles kann wieder aufwärts gehen.

Hochachtungsvoll!

Offener Brief

Liebe Besucher, geschätzte Festivalveranstalter und Auftraggeber, Filmverleiher, Sponsoren, Mitglieder des Berliner Senats und Freunde des Kinos Babylon,
seit 1929 steht ein Haus der Kultur in unserer Stadt, das sich seit Jahrzehnten durch ein vielseitiges Programm in vielen Sparten des kulturellen Lebens ausgezeichnet hat und dies auch weiter tun will.
Das Kino Babylon bietet ein breites Spektrum an Filmen, Lesungen, Konzerten und Festivals über das gesamte Jahr verteilt. Aus diesem Grund wird das Kino durch den Berliner Senat alljährlich mit einer nicht unerheblichen Summe gefördert.
Doch in den letzten Jahren erlischt der Schein dieses Hauses zunehmend. Obwohl dies dem Zuschauer häufig nicht bewusst wird, befindet sich das Haus in vielleicht langsamem, vielleicht schnellerem Verfall. Wer mit offenen Augen durch das Babylon geht, wird dies feststellen können.
Grund für dieses schleichende Siechtum ist die eklatante Missachtung aller Maßnahmen zum Erhalt des Hauses. Es wird, wenn überhaupt, nur das Allernotwendigste getan, um das Kino noch am Laufen zu halten. Die Geschäftsführung, hier in Person Timothy Grossmann, ist Meister des Ignorierens, Verschleppens und Vertuschens. Jedes öffentliche Gebäude, jedes Unternehmen in Deutschland ist verpflichtet, seine technischen Anlagen regelmäßig überprüfen zu lassen und zu warten. Dies um der Sicherheit der Belegschaft oder möglicher Außenstehender, im Falle des Babylon, auch um seiner Zuschauer willen.
Herr Grossmann scheint hier allerdings der Meinung zu sein, dass alles das, was für andere Häuser und Einrichtungen gelten muss, für das von ihm geführte Kino nicht gilt.
Woher er diese Einsicht nimmt, kann durch jeden, der diesen Brief liest spekulativ beantwortet werden.
Man muss sich über eines im Klaren sein, abgesehen von den neu installierten Einrichtungen in diesem Kino, entspricht dort nichts mehr den gängigen Sicherheitsstandards anderer Häuser, beginnend beim einfachen Wasserkocher an der Foyerbar bis hin zu den Lastenzügen im großen Saal.
Viele technische Anlagen des Hauses, unter anderem solche, die ein noch zu beschreibendes Sicherheitsrisiko für die Kunden und Angestellten darstellen, sind seit Jahren nicht gewartet und geprüft wurden. Die bereits erwähnten Lastenzüge im großen Saal des Kinos, an denen über den Köpfen der Zuschauer schwere Lasten, wie zum Beispiel Lichttraversen oder ähnliches hängen, fahren schon seit Jahren nur noch im Not- oder Havariebetrieb. Die maschinelle Steuerung der Kaschierung der Leinwand ist nicht mehr benutzbar.
Ständig wird im Babylon vorsätzlich gegen verschiedenste Verordnungen verstoßen.
Ein Beispiel: auf der Internetseite des Babylon wird der Saal 1 durch Herrn Grossmann mit 500 Sitzplätzen zur Miete angeboten, dieser Saal ist jedoch nur für 433 Zuschauer zugelassen.
Dies sind die Dinge, von denen der Zuschauer in der Regel nichts wissen wird, für ihn auffällig sind lediglich die inzwischen vielerorts sichtbaren normalen Verschleißerscheinungen, beginnend mit verschmutzten Stühlen und Teppichen in den Sälen, den nur noch schwer zumutbaren Toiletten und vielen anderen, zunehmend ins Sichtfeld tretenden Mängeln.
Geld dafür wäre genug da, wenn nicht der Geschäftsführer Grossman seit Beginn seiner Ära u.a. mehr als 100000 € in sinnlosen Rechtsstreitigkeiten verbrannt hätte.
Unter einer völlig desolaten Personalstruktur, leidet zudem der Service den Kunden des Babylon und den Auftraggebern gegenüber. Dieser Serviceverlust, kann nur durch ein nicht hinzunehmendes Überstrapazieren der Angestellten mehr schlecht als recht wieder wettgemacht werden. Jeder, der häufiger das Haus besucht, wird diese Zustände schon erlebt haben, Zuschauer wie Veranstalter.
Die Mitarbeiter des Hauses werden teilweise zu 6 Tage Wochen mit 65 Stunden herangezogen.
Dazu gesellt sich noch eine Einstellungs- und Entlassungskultur die wahrscheinlich einmalig ist.
Seit Januar 2014 haben bis zum heutigen Tage 26 Mitarbeiter das Haus verlassen. Im selben Zeitraum kamen 25 neue Mitarbeiter hinzu. Das Konzept Einstellen, Verbrauchen und noch während der Probezeit wieder kündigen, gelangt unter Herrn Grossmann zur Blüte. Es ist endlich an der Zeit, eine Veränderung in diesem Haus zu erwirken. Die Stimme muss hier an den Berliner Senat und an die öffentlichen Stellen, genauso wie an die Auftraggeber des Kinos und natürlich die Zuschauer gerichtet werden. Es ist wichtig, dass diese Zustände nicht weiterhin im Dunkeln bleiben. Aus diesem Grund dieser offene Brief, gerichtet an alle die, die auch in Zukunft noch schöne und unterhaltsame Stunden in diesem altehrwürdigen Hause verleben wollen.