vor den Kadi gezerrt

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/arbeitsgericht-berlin-kino-babylon-verklagt-streikende---gewerkschaft-ist-empoert,10809148,32373592.html?dmcid=sm_em

Berlin – 10.11.15

Jetzt wird der monatelange Streik in den Gerichtssaal verlegt. Am Mittwoch verhandelt das Arbeitsgericht Berlin. Die Gewerkschaft Verdi spricht von Einschüchterungsversuchen der Geschäftsführung, eine neue Stufe der Eskalation sei erreicht.

Die Liste der Vorwürfe ist fünf Seiten lang: Von unwahren Tatsachenbehauptungen und dem Erwecken falscher Eindrücke ist die Rede. Am Mittwoch beschäftigt sich das Arbeitsgericht Berlin mit dem Streik im Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz.

Rechtsanwälte haben im Auftrag der Neue Babylon Berlin GmbH um Timothy Grossman an streikende Mitarbeiter und Verdi-Mitglieder Abmahnungen verschickt und sie zu Unterlassungs- und Verpflichtungserklärungen aufgefordert.

Weil die Streikenden die Forderungen zurückweisen, wird nun das Arbeitsgericht in drei Terminen über deren Rechtmäßigkeit entscheiden. Es geht dabei um Formulierungen aus Flugblättern von Mitarbeitern, die seit Juni das Kino unbefristet bestreiken. Sie rufen zum Boykott auf, weil sie höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen fordern.

Die Gewerkschaft Verdi bezeichnet die Abmahnungen, die Anwälte auch an Privatadressen von Streikenden verschickt haben, als „neue Eskalationsstufe“ und als „Einschüchterungsversuche“. Andreas Köhn von der Verdi-Fachgruppe Medien, Kunst und Industrie sagt: „Wir haben das Recht, Tarifforderungen zu stellen. Darüber wird nicht vor Gericht verhandelt.“ Ursprünglich, so Köhn, gab es die Überlegung, den Streit kurzzeitig auszusetzen, um die angespannte Situation zu entlasten. „Dazu gibt es nun keinen Anlass mehr.“
Erinnerung an düstere Zeiten: Davidsterne und einen Boykottaufruf in Frakturschrift hat der Betreiber des Kinos Babylon angebracht. Foto: berliner zeitung/hans-richard edinger

Der Arbeitskampf hatte sich zuletzt auch öffentlich zugespitzt, nachdem Grossman, er ist jüdischer Abstammung, im Oktober mehrere Davidsterne an die Türen des Kinos gesprüht und ein Plakat über den Eingang gehängt hatte. Darauf stand in Frakturschrift: „Boykott! Deutsche wehrt Euch! Kauft nicht im Babylon!“

Kulturstaatssekretär Tim Renner kritisierte die Eskalation des Streiks als „hochgradig geschmacklos“, Grossmans Aktion sei „illegitim“. Offenbar würde ein persönlicher Konflikt mit dem Tarifstreit vermengt, so Renner. Ein Mitarbeiter des Kinos soll im Bereich hinter der Bühne das Plakat eines Klezmersängers beschädigt haben.
Frank-Walter Steinmeier (M.) redet mit Verdi-Vertreter Andreas Köhn (l.). Foto: Auswärtiges Amt

Unterdessen haben die Streikenden prominente Unterstützung bekommen. Vor wenigen Tagen fand im Kino eine Veranstaltung des Auswärtigen Amtes zum Thema 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel statt.

Daran nahm auch Frank-Walter Steinmeier teil. Der Außenminister ging direkt nach seiner Ankunft auf die Streikenden vor dem Kino zu. Teilnehmer berichten von „aufmunternden Worten des Außenministers“ und „einer Unterstützungszusage“. Das sei ein „deutlicher Ausdruck der Wertschätzung“ der Streik-Aktion gewesen, sagten sie.

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4 Antworten auf „vor den Kadi gezerrt“


  1. 1 Administrator 16. November 2015 um 1:03 Uhr

    Sehr geehrter Herr Grossman,
    ich wurde durch die Tagespresse und letzten Freitag durch die Streikenden auf die Probleme in Ihrem Haus aufmerksam und unterstütze den Kampf Ihrer Mitarbeiter!

    Mit freundlichem Gruß
    Katrin S

  2. 2 Administrator 20. November 2015 um 0:09 Uhr

    Sehr geehrter Herr Großmann,

    hiermit fordere ich sie höflich dazu auf,
    TARIFLICHE NORMALITÄT einzuführen.
    Das bedeutet im Folgenden:

    Entgelt:
    Beim Entgelt geht es sowohl um die Erhöhung der derzeitigen Stunden- bzw. Monatsentgelte, als auch um die Erweiterung der Berufsjahresstufen. Zusätzlich zu den bisherigen Berufsjahresstufen würden wir gerne, um den Einsatz der langjährig Beschäftigten zu honorieren, weitere Berufsjahresstufen einführen. Zusätzliche Stufen sollten nach 8, 11, 14 und 17 Jahren einsetzen. Dies gilt auch für die Zulage für Teamleiter/Serviceteamleiter und die Assistenten der Betriebsleitung. Zusätzlich dazu möchten wir auch den Serviceleiter in die Tabelle aufnehmen.
    Daraus ergibt sich dann folgende Tabelle:
    Entgeltforderungen CinemaxX-Tarifrunde 2016
    Kinonetzwerk
    Entgelttabelle CinemaxX-Tarifrunde 2016
    Darüber hinaus wollen wir auch noch weitere Regelungen in den bestehenden Tarifverträgen verändern:

    Teilzeitbeschäftigte:

    Für Teilzeitbeschäftigte soll im Tarifvertrag wieder festeghalten werden, dass ihre – ggü. einem Vollzeiter – geringere Arbeitszeit, auch an entsprechend weniger Tagen in der Woche erbracht werden muss.

    Zuschläge:

    Die Zuschläge für die Arbeit am Ostersonntag und Pfingstsonntag wurden in der letzten Tarifrunde aus dem Tarifervertrag gestrichen. Da, nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts, für diese Tage keine Feiertagszuschläge zustehen, da es keine gesetzlichen Feiertage sind, verlangte die Arbeitgeberseite diese Streichung. Zum damaligen Zeitpunkt sind wir – im Rahmen einer Gesamteinigung – auf die Forderung eingegangen. Ob gesetzlicher Feiertag oder nicht. Gerade im Zusammenhang mit dem Oster- und Pfingstmontag haben diese Tage eine ganz besondere Bedeutung. Beschäftigte, die an diesen Tagen nicht arbeiten müssen haben Zeit für sich und ihre Familien. Die ver.di Tarifkommission fordert diese Tage wieder in den Katalog der Feiertage mit 100%-Zuschlag aufzunehmen.
    Weiterhin wollen wir wieder im Tarifvertrag vereinbaren, dass der 24. und 31. Dezember grundsätzlich arbeitsfrei sind. Auch diese Regelung stand früher im TV. Zwar ist immer noch geregelt, dass an diesen Tagen nur Mitarbeiter eingesetzt werden können, die damit einverstanden sind und hier auch ein 100%-Zuschlag gezahlt wird, allerdings muss man in Zweifelsfall für diese Tage dann Urlaub nehmen.
    Die Regelungen im Tarifvertrag zu den Nachtarbeitszuschlägen sollen so verändert werden, dass die Zuschläge für die Arbeit ab 23 Uhr auch gezahlt werden, wenn die Arbeitsschicht vor 24 Uhr endet. Auch die Zeit zwischen 23 Uhr und 24 Uhr sind Nachtarbeit!

    Urlaub:

    Beim Urlaub wollen wir Schwierigkeiten, die es immer wieder rund um die Beantragung des Urlaubs gibt, zukünftig vermeiden. Wir wollen regeln, dass Samstage, Sonn- und Feiertage, die vor dem ersten Urlaubstag, während des Urlaubs oder in direktem Anschluss an den letzten Urlaubstag liegen, nicht beantragt werden müssen, sonder als arbeitsfrei gelten.

    Unbezahlte Freistellung:

    Wir fordern eine, für die Beschäftigten, felxiblere Regelung zur unbezahlten Freistellung.

    Jahressonderzahlung:

    Wir fordern eine Erhöhung der Jahressonderzahlung für alle Beschäftigten und die Aufteilung auf zwei Auszahlungszeitpunkte. Die Höhe der Jahressonderzahlung ist von der TK nicht definiert worden, sondern wird im Rahmen des Verhandlungsverlaufs festgelegt. Darüber hinaus fordern wir Klarstellungen bei den Tätigkeitsfeldern der Servicekräfte und die Aufnahme inkl. Tätigkeitsbeschriebung der Berufsgruppen Assisten/-in der Betriebsleitung und Serviceleitung in den Tarifvertrag. Die Laufzeit soll nicht mehr als 24 Monate betragen. Dies sind die Forderungen, die wir aus den Fragebögen identifiziert haben und gemeinsam durchsetzen wollen. Tarifverhandlungen funktionieren nicht fernab von dir und ohne deine Unterstützung. Ein gutes Tarifergebnis steht im direkten Zusammenhang mit der Anzahl der ver.di-Mitglieder bei CinemaxX, die sich aktiv für ihre Forderungen einsetzen.

    Dies fordert nachdrücklich

    und freut sich über eine Antwort :

    Melanie Weigel

  3. 3 nachbar 04. Januar 2016 um 15:46 Uhr

    Und jetzt liest man in der Presse, 6 Mitarbeiter werden entlassen. Hat Herr Grossman sich nun mit Abfindungen sein „störungsfreies“ Unternehmen erkauft?

  4. 4 nachbar 16. Januar 2016 um 18:45 Uhr

    Offensichtlich.

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