Sie geht und kommt wohl auch nicht mehr …

Über viele Jahre war sie Stammgast im Babylon Mitte in Berlin, Die Linke Kinonacht.
Gespräche mit Politikern, Lesungen und Filme wurden über eine lange Zeit hinweg einmal im Jahr bei freiem Eintritt den Zuschauern im Babylon geboten. Alle drei Säle wurden mit Filmen aus den verschiedensten Genres bespielt und es waren in jedem Jahr hochkarätige Gäste aus Politik und Zeitgeschehen im Haus. Es wurde gelesen und debattiert, gestritten oder einfach nur gefeiert.
Und so sollte es auch in diesem Jahr sein.
Doch was ist geschehen? Seit einiger Zeit streiten einige Mitarbeiter des Babylon um einen angemessenen Tarifvertag, der bundesweit üblich ist und in vielen Kinobetrieben zur Anwendung kommt.
In diesem Jahr, so die Aussage des Sprechers der Linken, war es uns unmöglich, die Linke Kinonacht im Babylon zu veranstalten, da die Partei sich sonst mit der Geschäftsführung des Babylon solidarisiert hätte, nicht mit den Streikenden. Immerhin zahlt Herr Grossman weit weniger, als von Linken geforderten 10 Euro Mindestlohn. So sagte die Berliner Linke die Linke Kinonacht bereits vor Wochen ab. Sie findet stattdessen in der Musikscheune, Greifswalder Str. 23A in 10405 Berlin statt.
Am Freitag und Samstag den 11/12.09.15 wird auf dem Rosa-Luxemburg-Platz nun das Fest der Linken gefeiert. Dieses Fest wird organisiert nicht von den Berliner Linken, sondern von der Fraktion der Linken im Bundestag. Im Rahmen dieses Festes, sollten am Samstag auch im Babylon Veranstaltungen stattfinden. Nun war es den Vertretern der Bundestagsfraktion der Linken wichtig, den Streikenden und ihren Anliegen während des Festes Gehör zu verschaffen und so bot man den Streikenden etwa 10 Minuten Redezeit auf der Bühne an. Als man dies dem Geschäftsführer Timothy Grossman verkündete, verlangte dieser, mit Verweis auf sein Hausrecht, dass man ihm im Gegenzug mindestens die dreifache Redezeit einräumen müsse, um auf die Äußerungen der Streikenden reagieren zu können. Woher kommt sie nur, des Herrn Grossman grenzenlose Selbstüberschätzung? Die Vertreter der Linken lehnten dies natürlich kategorisch ab und so zog sich auch die Bundestagsfraktion der Linken von der Spielstätte zurück. Die Veranstaltungen, die eigentlich im Babylon stattfinden sollten, wurden in die Kalkscheune, Galerie, Kalkscheunenstraße/Ecke Johannisstraße 2, 10117 Berlin verlegt.

Die Linke, die über viele Jahre das Babylon nicht nur für Veranstaltungen aller Art nutzte, sondern es lange Zeit auch politisch unterstützte, hat nun wertvolles Wohlwollen dem Haus gegenüber verloren.
Es ist erschreckend zu sehen, dass ein einzelner Mensch es schafft, das Ansehen dieses renommierten Hauses, mit seiner großen Vergangenheit und den Zuspruch für ebendieses in Politik, bei Veranstaltern und in der Bevölkerung in derartigem Ausmaß schrumpfen bzw. verfliegen zu lassen, dass selbst dem Hause bisher ausgesprochen wohlmeinende Organisationen, wie Die Partei der Linken, dem Babylon nun den Rücken kehren.
Schade!!!


4 Antworten auf „Sie geht und kommt wohl auch nicht mehr …“


  1. 1 nachbar 08. September 2015 um 21:10 Uhr

    Ja, das ist in der Tat schade für das Babylon, dass es immer mehr Ansehen verliert.
    Was ist denn eigentlich mit dem Festival „Around the World in 14 Films“ passiert? Das war m.E. immer das Hauptevent in diesem Haus, zumindest jedoch ein sehr wichtiges Berliner Festival. Auf der website steht nun seit einer Weile, dass man umgezogen ist:

  2. 2 Administrator 10. September 2015 um 23:14 Uhr

    Ja, „Around the world in 14 Films“ haben sich für eine andere Spielstätte entschieden.

  3. 3 Administrator 10. September 2015 um 23:17 Uhr

    Mail an Herrn Grossman vom 9.9.

    Sehr geehrter Herr Grossman,

    ich bin seither ein großer Fan des Babylon Kinos in Mitte gewesen. Leider musste ich letzten Freitag feststellen, dass Sie Ihre Angestellten nicht nach den Tariftabellen des Bundestarifvertrages beschäftigen bzw. seit 5 Jahren trotz steigender Eintrittspreise und Zuschauerzahlen keine Entgelterhöhung vorgenommen haben. Aus diesem Grund habe ich mich letzten Freitag mit zwei Kollegen gegen einen Besuch in Ihrem Kino entschieden. Wir wollten uns ursprünglich „Taxi Teheran“ anschauen. Ich werde die Verhandlungen zwischen Ihnen und ver.di ab jetzt aufmerksam verfolgen und hoffe, dass ich bald wieder mit gutem Gewissen ins Babylon zu einem Kinobesuch zurückkehren kann.

    Mit freundlichen Grüßen

    N. Brandt

  4. 4 Administrator 10. September 2015 um 23:19 Uhr

    Mail an Herrn Grossman 25.8.

    Sehr geehrter Herr Grossman,

    aus zahlreichen Berlin Besuchen ist mir das Babylon Kino und sein durchaus anspruchsvolles Programm seit längerem ein Begriff.
    Umso bedauerlicher ist es, dass zwischen künstlerischem Anspruch und der betrieblichen Realität ein großes Missverhältnis zu existieren scheint.

    Wie kann es angehen, dass die bei Ihnen beschäftigten Kolleginnen und Kollegen nunmehr seit dem 23.7. für ihre Rechte mit dem Mittel des Streiks
    eintreten müssen? Ein, wie ich finde, unhaltbarer Zustand.

    Ich fordere Sie auf, mit der Gewerkschaft Ver.di in Verhandlungen zu treten bzw. den entsprechenden Tarifvertrag im Kino Babylon anzuwenden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Jan Schulze-Husmann, Bonn

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