Hier streikt der Chef im Stillen selbst!

Das halbkommunale Kino Babylon in Berlin Mitte wird derzeit bestreikt. Die Mitarbeiter fordern höhere Löhne und einen Tarifvertrag, der dem üblichen für Kinos und Filmtheater entspricht. Auch wenn der Geschäftsführer Grossman sich bisher standhaft weigert mit dem Vertreter von Verdi zu verhandeln, scheint es dennoch so, als sei er sich seines Fehlverhaltens suggestiv bewusst. Da sich Herr Grossman als Geschäftsführer nun nicht wie seine Angestellten in einer neongelben Warnweste vor sein eigenes Haus stellen kann, hat er in einem Akt der Selbstgeißelung oder des Flagellantentums, wenngleich frei von jedwedem religiösen Moment, eine Art Festival angesetzt, das wohl ein finanzielles Desaster für ihn werden wird. Der monitäre Aufwand, der für den sogenannten, derzeit stattfindenden Kino-Orgel-Wettbewerb betrieben wurde, ist in der Stadt kaum zu übersehen. Doch die Zuschauer, über die genau all dies refinanziert werden müsste, bleiben aus. Teilweise ist der über 400 Personen fassende Saal 1 des Babylons mit 10 Zuschauern besetzt. Man kommt nicht umhin, sich die Frage zu stellen, ist dies Missmanagement oder eben sein schlechtes Gewissen, was hier offen zu Tage tritt. Ersteres liegt natürlich fern dem Herrn Grossman zu unterstellen und so muss man eventuell davon ausgehen, und dies in unumschränktem Wohlwollen, dass es eben letzteres ist, was den Herrn umtreibt. Und so kann man ihm nur die Stärke und die moralische Kraft wünschen, sich offen zu seinem Fehlverhalten zu bekennen und sich endlich an einen Tisch mit dem Vertreter von Verdi zu setzen, um endlich einen annehmbaren Tarifvertrag auszuhandeln. Sehr geehrter Herr Grossman, Sie müssen keine Festivals initiieren zu denen keiner kommt, um sich selbst zu bestrafen, zahlen Sie anständige Löhne und alles kann wieder aufwärts gehen.

Hochachtungsvoll!


1 Antwort auf „Hier streikt der Chef im Stillen selbst!“


  1. 1 kerstin 14. Juli 2015 um 23:27 Uhr

    Ich war gerne mit meinen Kindern im Babylon. Doch nach dieser Lektüre unterstütze ich nicht mehr Herrn Grossman durch meine Besuche, sondern bleibe vorerst mit meiner Familie dem Hause fern.

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