Offener Brief

Liebe Besucher, geschätzte Festivalveranstalter und Auftraggeber, Filmverleiher, Sponsoren, Mitglieder des Berliner Senats und Freunde des Kinos Babylon,
seit 1929 steht ein Haus der Kultur in unserer Stadt, das sich seit Jahrzehnten durch ein vielseitiges Programm in vielen Sparten des kulturellen Lebens ausgezeichnet hat und dies auch weiter tun will.
Das Kino Babylon bietet ein breites Spektrum an Filmen, Lesungen, Konzerten und Festivals über das gesamte Jahr verteilt. Aus diesem Grund wird das Kino durch den Berliner Senat alljährlich mit einer nicht unerheblichen Summe gefördert.
Doch in den letzten Jahren erlischt der Schein dieses Hauses zunehmend. Obwohl dies dem Zuschauer häufig nicht bewusst wird, befindet sich das Haus in vielleicht langsamem, vielleicht schnellerem Verfall. Wer mit offenen Augen durch das Babylon geht, wird dies feststellen können.
Grund für dieses schleichende Siechtum ist die eklatante Missachtung aller Maßnahmen zum Erhalt des Hauses. Es wird, wenn überhaupt, nur das Allernotwendigste getan, um das Kino noch am Laufen zu halten. Die Geschäftsführung, hier in Person Timothy Grossmann, ist Meister des Ignorierens, Verschleppens und Vertuschens. Jedes öffentliche Gebäude, jedes Unternehmen in Deutschland ist verpflichtet, seine technischen Anlagen regelmäßig überprüfen zu lassen und zu warten. Dies um der Sicherheit der Belegschaft oder möglicher Außenstehender, im Falle des Babylon, auch um seiner Zuschauer willen.
Herr Grossmann scheint hier allerdings der Meinung zu sein, dass alles das, was für andere Häuser und Einrichtungen gelten muss, für das von ihm geführte Kino nicht gilt.
Woher er diese Einsicht nimmt, kann durch jeden, der diesen Brief liest spekulativ beantwortet werden.
Man muss sich über eines im Klaren sein, abgesehen von den neu installierten Einrichtungen in diesem Kino, entspricht dort nichts mehr den gängigen Sicherheitsstandards anderer Häuser, beginnend beim einfachen Wasserkocher an der Foyerbar bis hin zu den Lastenzügen im großen Saal.
Viele technische Anlagen des Hauses, unter anderem solche, die ein noch zu beschreibendes Sicherheitsrisiko für die Kunden und Angestellten darstellen, sind seit Jahren nicht gewartet und geprüft wurden. Die bereits erwähnten Lastenzüge im großen Saal des Kinos, an denen über den Köpfen der Zuschauer schwere Lasten, wie zum Beispiel Lichttraversen oder ähnliches hängen, fahren schon seit Jahren nur noch im Not- oder Havariebetrieb. Die maschinelle Steuerung der Kaschierung der Leinwand ist nicht mehr benutzbar.
Ständig wird im Babylon vorsätzlich gegen verschiedenste Verordnungen verstoßen.
Ein Beispiel: auf der Internetseite des Babylon wird der Saal 1 durch Herrn Grossmann mit 500 Sitzplätzen zur Miete angeboten, dieser Saal ist jedoch nur für 433 Zuschauer zugelassen.
Dies sind die Dinge, von denen der Zuschauer in der Regel nichts wissen wird, für ihn auffällig sind lediglich die inzwischen vielerorts sichtbaren normalen Verschleißerscheinungen, beginnend mit verschmutzten Stühlen und Teppichen in den Sälen, den nur noch schwer zumutbaren Toiletten und vielen anderen, zunehmend ins Sichtfeld tretenden Mängeln.
Geld dafür wäre genug da, wenn nicht der Geschäftsführer Grossman seit Beginn seiner Ära u.a. mehr als 100000 € in sinnlosen Rechtsstreitigkeiten verbrannt hätte.
Unter einer völlig desolaten Personalstruktur, leidet zudem der Service den Kunden des Babylon und den Auftraggebern gegenüber. Dieser Serviceverlust, kann nur durch ein nicht hinzunehmendes Überstrapazieren der Angestellten mehr schlecht als recht wieder wettgemacht werden. Jeder, der häufiger das Haus besucht, wird diese Zustände schon erlebt haben, Zuschauer wie Veranstalter.
Die Mitarbeiter des Hauses werden teilweise zu 6 Tage Wochen mit 65 Stunden herangezogen.
Dazu gesellt sich noch eine Einstellungs- und Entlassungskultur die wahrscheinlich einmalig ist.
Seit Januar 2014 haben bis zum heutigen Tage 26 Mitarbeiter das Haus verlassen. Im selben Zeitraum kamen 25 neue Mitarbeiter hinzu. Das Konzept Einstellen, Verbrauchen und noch während der Probezeit wieder kündigen, gelangt unter Herrn Grossmann zur Blüte. Es ist endlich an der Zeit, eine Veränderung in diesem Haus zu erwirken. Die Stimme muss hier an den Berliner Senat und an die öffentlichen Stellen, genauso wie an die Auftraggeber des Kinos und natürlich die Zuschauer gerichtet werden. Es ist wichtig, dass diese Zustände nicht weiterhin im Dunkeln bleiben. Aus diesem Grund dieser offene Brief, gerichtet an alle die, die auch in Zukunft noch schöne und unterhaltsame Stunden in diesem altehrwürdigen Hause verleben wollen.


3 Antworten auf „Offener Brief“


  1. 1 Marcus 06. Juli 2015 um 12:09 Uhr

    Danke für die offenen Worte.

    Leider hat sich auch für mich das Babylon – mein ausgesprochenes Lieblingskino – in den letzten Wochen und Monaten von seiner schlechtesten Seite gezeigt:

    miserabler, eigentlich gar kein Service in Sachen Kartenvorbestellung und unerwartetete, ersatzlose Wegnahme von Tickets, welche bereits online reserviert waren;

    extrem unfreundliche (vermutlich weil überlastete und mit anderen Dingen im Kopf beschäftigte) Mitarbeiter – man möchte sich schon fast entschuldigen, dass man ins Kino oder etwas am Tresen kaufen möchte;

    eine Aura im Kino, die an Misstrauen bis Feindseligkeit ihresgleichen sucht, was des Babylons einfach nicht würdig ist.

    Bleibt am Ball!

    Ich werde dies auch tun und denke, es wird nicht mehr allzulange dauern, bis diese Missstände wieder abgearbeitet werden können, wenn erst einmal eine neue Leitung im Kino Babylon arbeiten wird, welche nicht nur der Filmkunst sondern auch der Mitarbeiterführung und auch dem Publikum verpflichtet ist und dieser Verantwortung dann auch nachkommt.

    Bis dahin werde ich meine Besuche im Babylon aussetzen, entsprechende Informationen und Denkanstöße an Freunde und Bekannte weitergeben;
    meinen Einfluss auf die „11 Freunde“ versuchen, geltend zu machen, damit sie sich für die kommenden Veranstaltungen eine andere Location auswählen, welche menschlich fair handelt;
    und mal einen Brief an die politisch Verantwortlichen schreiben, damit diese mal wachgerüttelt werden.

    Liebe Grüße, bleibt stark!

    Marcus

  2. 2 dave 06. Juli 2015 um 18:54 Uhr

    Eine Schande für dieses kulturelle Kleinod!

    „Ein Filmvorführer des Babylon, Rudolf Lunau, gehörte von der Machtergreifung 1933 bis zu seiner Verhaftung 1934 einer illegalen Widerstandszelle der KPD an, deren Treffen er in „seinem“ Vorführraum abhielt, wo er auch untergetauchte Regimegegner versteckte.“
    …in diesem Sinne: Friedlich oder militant – wichtig ist der Widerstand!

  3. 3 Thomas Wohlfahrt 06. Juli 2015 um 20:18 Uhr

    Liebe Verfasser des Briefes,

    Danke Euch, denn endlich tut sich mal was.
    Hinzuzufügen ist, dass Herr Großmann auf jedede Kritik mit albernen Verfügungen wie HAUSVERBOT operiert. Das ist schon deshalb völlig absurd, weil er mit öffentlichen Geldern agiert und ganz einfach Servicefunktionen zu erfüllen hat. Auch vertragliche Vereinbarungen werden hintergangen, indem von Herrn Großmann zusätzliche Einmietungen vorgenommen werden, ohne daß der ursprüngliche Mieter befragt wird, sondern, wenn überhaupt, davon in Kenntnis gesetzt wird usw. Kurzfilmfestivals bedürfen intensiverer technischer Betreuung. Dieses Mehr an technischem Personal wird auch in Rechnung gestellt, ohne dass die angemietete Betreuung gewährleistet wäre.
    Zu erwähnen ist, dass der Senat, vom Zustand des Kinos, der Atmosphäre im Haus wie der Einstellungspolitik durchaus in Kenntnis gesetzt ist, bislang, m. W. aber noch nicht aktiv wurde.

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