Des Herrn Grossmans Nemesis

Des Herrn Grossmans Nemesis! Zu recht!
Wissen Sie was ein Betriebsrat ist? Der Autor wusste dies bis vor ein paar Monaten auch nicht. Irgendwann wurden alle Mitarbeiter des in Berlin Mitte angesiedelten, halbkommunalen Kinos Babylon mit der Wahl eines solchen konfrontiert und auch der Autor kam nun nicht mehr umher, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Zur Wahl standen damals drei Betriebsräte, wie es für Unternehmen von mehr als zwanzig Mitarbeitern generell üblich ist. Und was geschah dann? Eigentlich soll ja ein solcher Betriebsrat ein Kommunikator zwischen den Mitarbeitern und der Geschäftsführung sein. Doch nicht so im Babylon!
Doch was ist das nun, ein Betriebsrat? Der Betriebsrat, ein Konzept einer institutionalisierten Arbeitervertretung, wurde erstmals im Jahre 1900 in Deutschland eingeführt und treibt nun als Schreckgespenst aller Wirtschaftsoligarchen sein Unwesen. Doch warum geschah eigentlich die Etablierung eines Betriebsrates? Hatten die Industriearbeiter damals nicht alle Arten von Mitspracherecht im Unternehmen? Konnten sie denn in ihrer 10-12 stündigen, täglichen Industriearbeit, in der Regel unter menschenunwürdigen Bedingungen, sich nicht gänzlich selbst verwirklichen? War denn der gezahlte Lohn nicht ausreichend, um sich selbst am Leben und für die Industrie weiterhin nutzbar zu halten? Was brauchte denn der Arbeiter mehr, als eben diesen Lebensunterhalt? Etwa so etwas wie eine gewisse Lebensqualität auch am Arbeitsplatz? So etwas wie Sicherheit am selbigen? Ich bitte euch, die Arbeitslosenzahlen waren doch exorbitant und Menschenmaterial Dank der hohen Geburtenrate im Industriearbeitermilieu im ausreichenden Maß vorhanden. Warum also dieser Unsinn? Der Arbeiter konnte doch kündigen und verhungern. Freier Wille schafft freies Handeln! Die Industrie hingegen, hätte sich dann nur aus dem Pulk der Industriesklaven bedienen müssen!
Doch nein, Wahnvorstellungen ethischer Art trieben Teile der „liberalen, aufgeklärten“ Gesellschaft an, teilweise sogar in den Reihen der Unternehmer selbst, dieses unsinnige Konzept zu etablieren, ab einer gewissen Zeit sogar per Gesetz.
Dieser Unfug hat sich bis heute leider erhalten und nun muss sich auch Herr Grossman damit herumschlagen. Aber unser Held macht es richtig! Er ignoriert, mauert und bekämpft diesen Unsinn mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Noch bevor wir hier in die Details seines Kreuzzuges gegen die Rechte des einfachen und nur zur Verrichtung seiner Tätigkeit von der Vorsehung geschaffen Arbeiters gehen, nötigt dieser Kreuzzug dem Autor allen Respekt ab, welchen er Herrn Grossman an dieser Stelle zollen möchte.
Nun zur Vorgehensweise des Herrn Grossman. Ein Geniestreich vor Gott zu Beginn; kurz vor dem Ende der ersten Legislaturperiode des babylonischen Betriebsrates entließ Herr Grossman einfach so viele Mitarbeiter, dass rein rechtlich gesehen nur ein einköpfiger Betriebsrat hätte gewählt werden dürfen, der mit weitaus weniger Mitspracherechten ausgestattet ist, als ein dreiköpfiger für über zwanzig Mitarbeiter. Dies hätte die Machtverhältnisse innerhalb des Unternehmens weitestgehend zugunsten Herrn Grossman wieder zurechtrücken können. Doch was machen diese renitenten Mitarbeiter, sie wählen dennoch einen dreiköpfigen Betriebsrat mit dem Verweis auf die vielen und plötzlichen Entlassungen. Alle Versuche Herrn Grossmans dies zu unterbinden, schlugen leider fehl und so muss er sich mit dieser dreiköpfigen Arbeitgebervertretung herumschlagen. Aber Helden geben ja bekanntlich nicht so schnell auf, gerade nicht im Lande eines Siegfrieds!
Und so widmet Herr Grossman seine Kraft und einen beträchtlichen Teil des Unternehmensvermögens seinem heroischen Kampf gegen Auswüchse unsinniger Arbeitermitbestimmungen. Er ist ja glücklicherweise inzwischen auch geübt darin.
Er scheut sich auch nicht, dies nicht selten über die Gerichte zu tun, um diesem obszönen Treiben endlich Einhalt zu gebieten. Eine Menge Geld musste Herr Grossman bereits dafür aufwenden. Der Autor ist sich jedoch sicher, dass der Steuerzahler hier mit allem Verständnis reagieren wird, in dem er akzeptiert, dass öffentliches Geld nicht wie vorgesehen für den Kinobetrieb verwendet wird, sondern um Anwälte und Gerichte zu bezahlen, von denen sich Herr Grossman erhofft, dass diese seinen glorreichen Kreuzzug gegen die Rechte und das Sicherheitsbedürfnis seiner Mitarbeiter siegreich zu Ende führen. Leider sind die Bemühungen des Herrn Grossman häufig juristisch von Misserfolg gekrönt, dies aber sicher nur, weil unsere Gerichte von der unsinnigen Vorstellung durchdrungen sind, dass ein Unternehmen heute nicht mehr im System eines Feudalstaates zu funktionieren hat.
Was ist nur aus der uneingeschränkten Unternehmeroligarchie des ausgehenden 19ten Jahrhunderts geworden?
Herr Grossman kämpft weiterhin standhaft dafür – nach innen und außen!
Und so boykottiert er die Arbeit des Betriebsrates wo er nur kann.
Mit ganzem Herzen widmet sich Herr Grossman dem Nachweis von Fehlverhalten der Mitglieder des Betriebsrates des Babylons, nachdem er sie zuvor, bei Arbeitsantritt mit Arbeitsaufträgen überschüttet und dann heldenhaft davor nicht zurückschreckt, eine wohlfeil formulierte Abmahnung nach anderen an die Betriebsräte zu verteilen. Häufig von teuren Anwälten formuliert.
Anfragen des Betriebsrates, die Arbeitssicherheit im Babylon betreffend, werden von ihm zu recht stoisch ignoriert, welch ein Blödsinn auch, denn haben wir nicht auch heute noch Millionen von Arbeitslosen? Würden sich nicht viele von denen über einen Arbeitsplatz im Babylon freuen, der frei würde, zum Beispiel durch einen Unglücksfall, dank ignorierter Sicherheitsvorgaben der zuständigen Landesbehörden? Ein kurzer Stromschlag kann schon genügen, um die Arbeitslosenstatistik für Deutschland zu schönen.
Also nieder mit diesen Betriebsratsumtrieben, zurück zur Despotie des Unternehmers!
Abschließend muss der Autor dem Geschäftsführer nochmals zutiefst seine Hochachtung erklären und ihm seine Ehrerbietung zollen. In seinem Bestreben wünscht der Autor Herrn Grossman auch weiterhin alles Gute und die Standhaftigkeit, die eines Siegfrieds zur Ehre gereichen würde!


3 Antworten auf „Des Herrn Grossmans Nemesis“


  1. 1 M.Riegelmann 21. Juni 2015 um 22:03 Uhr

    Es stimmt mich unendlich traurig, dass das Kino, in dem ich mit meiner Tochter einen Stummfilmklassiker mit Live-Orchester bewundern konnte, so mies mit seinen Mitarbeiter/innen umgeht. Dieser Charlie-Chaplin-Film wird für meine Tochter immer ein unvergessliches Kino-Erlebnis bleiben. Leider muss ich ihr nun sagen, dass wir in dieses Kino erst wieder gehen können wenn die ihre Leute anständig bezahlen. Sie versteht es nicht, „aber die zeigen doch so tolle Filme, die sind doch gut!“ „Ja, aber nicht zu ihren Angestellten.“ Sie versteht es nicht und ich ehrlich gesagt auch nicht.
    Ich wünsche mir nur, bald wieder in euer Kino gehen zu können – mit anständig beazhlten Mitarbeiter/innen!
    Danke!

  2. 2 Administrator 05. Juli 2015 um 16:22 Uhr

    Vielen Dank Herr Riegelmann, auf dass Ihre Tochter bald wieder unbeschwerte Besuche im Babylon erleben kann!

  3. 3 Ferdi 07. Oktober 2015 um 22:50 Uhr

    Hatte mit Herrn Grossmann eine Zeitlang geschäftlich zu tun.
    Habe in meinem ganzen Geschäftsleben keinen widerlicheren Ignoranten und Intriganten erlebt.
    Hoffe dass der Senat endlich einen Schlusstrich zieht, nachem er sich schon das Babylon nur durch seine persönliche Beziehung zum damaligen Kultursenator Flierl unrechtmässig angeeignet hat, als sein ursprüngliches Betreiber-Konzept in der vrgeschriebenen Ausschreibung bereits gescheitert war.
    Es wundert mich nicht, dass er sich seit Langem weigert, die marode Infrastruktur widerrechtlich nicht modernisieren zu lassen und damit Unfälle geradezu provoziert.
    Rücksichtloses Gebaren gegenüber seinen Mitmenschen war schon immer seit jeher das hervorstechende Kennzeichen des Egomanen.

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